Einblick in Pionierprojekt: BASF Ludwigshafen

EPC-Lieferung eines der weltweit leistungsstärksten industriellen Wärme­pumpensysteme

Die BASF SE realisiert am Standort Ludwigshafen, Deutschland eines der ambitioniertesten Projekte zur Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme in Europa. In enger Zusammenarbeit mit GKT und PILLER Blowers & Compressors entsteht eine Großwärmepumpe, die bisher ungenutzte Abwärme CO2-neutral in Dampf umwandelt. Ein weiterer Effekt ist nicht nur die Reduktion von bis zu 100.000 Tonnen CO2 jährlich, sondern die Schaffung eines international skalierbaren Referenzprojekts für die grüne Transformation der Industrie.

Projektstatus

Montagearbeiten schreiten planmäßig voran
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CO2-freier Dampf aus Abwärme: Wärmepumpe im Großmaßstab

BASF will bis 2045 in Deutschland und bis 2050 weltweit CO2-neutral wirtschaften. Ein strategischer Schwerpunkt liegt auf der Dekarbonisierung der Dampferzeugung in Ludwigshafen, wo jährlich rund 14 Millionen Tonnen Dampf benötigt werden – etwa für Reaktoren, Trocknungs- und Trennprozesse. Der Einsatz fossiler Energie zur Dampferzeugung verursacht dabei aktuell rund 1,4 Millionen Tonnen CO2 – das entspricht fast 30 % der standortbezogenen Emissionen.

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BASF deckt bereits heute die Hälfte des Dampfbedarfs in Ludwigshafen durch CO2-arme Wärmerückgewinnung aus chemischen Prozessen. Um die Dampferzeugung weiter zu dekarbonisieren, evaluierte das Unternehmen verschiedene Konzepte zur Erzeugung von Dampf – mit besonderem Blick auf Teillastfähigkeit und Verfügbarkeit.

Als optimale Lösung in diesem Fall erwies sich das innovative CompriVAP-Wärmepumpensystem von GKT in Kombination mit leistungsstarken VapoLine®-Radialverdichtern von PILLER als Herzstück der Anlage. Das System wurde speziell für industrielle Dampfprozesse entwickelt, kommt in Ludwigshafen – und weltweit – erstmals in dieser Größenordnung zum Einsatz. Die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant.

„Die Entscheidung fiel besonders mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und Aspekte der Dekarbonisierung“, erklärt Alexander Fronz, Project Manager für das Großwärmepumpenprojekt bei BASF. „Ausschlaggebend waren auch die hohe Betriebssicherheit und technische Flexibilität – Eigenschaften, die CompriVAP bei diesem Projekt und unter unseren spezifischen Randbedingungen zum überzeugendsten Gesamtkonzept machten.“
CompriVAP nutzt unerschlossene Abwärme aus einem der Steamcracker in Ludwigshafen zur Bereitstellung von CO2-freiem Dampf. Dieser wird über das standortweite Dampfnetz verteilt, wobei der Hauptabnehmer, bedingt durch die staatliche Förderung, die Ameisensäureproduktion ist. Mit 50 MW thermischer Leistung erzeugt die Anlage bis zu 500.000 Tonnen Dampf pro Jahr und vermeidet rund 100.000 Tonnen CO2.

Als technisches Pilotprojekt im industriellen Maßstab ist sie weltweit bislang einzigartig.

Für Tim Lerch, Project Execution Owner bei BASF, ist das Projekt jedoch mehr als nur ein technisches Pilotvorhaben: „Wir sprechen hier von einer der leistungsfähigsten industriellen Wärmepumpen weltweit – und doch ist sie gemessen an unseren CO2-Emissionen nur ein kleiner Baustein. Aber ein bedeutender: Eine tragfähige Wärmpumpenlösung in dieser Größenordnung realisieren zu können, ist für mich persönlich ein echter Meilenstein.“

CompriVAP: Integriertes Systemdesign statt Einzellösung

CompriVAP ist keine einzelne Maschine, sondern eine integrierte Wärmepumpen­lösung, die bewährte Technologien zu einem leistungsfähigen Gesamtsystem vereint. Das Konzept basiert auf mecha­nischer Brüdenverdichtung (MBV), bei der Dampf mittels elektrisch angetriebener Verdichter auf ein höheres Energieniveau gebracht und anschließend als Prozesswärme bereitgestellt wird.

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Worin sich das eingesetzte System von herkömmlichen Wärmepumpen unterscheidet, beschreibt Martin Schmid, Process Engineer bei GKT und seit Projektbeginn involviert: „Anders als viele marktgängige Wärmepumpenlösungen, die primär auf Warmwasserbereitung ausgelegt sind, ist CompriVAP von Grund auf für die Produktion von Dampf konzipiert. Die Technologie basiert auf mechanischer Brüdenverdichtung, die explizit für Dampfanwendungen entwickelt wurde und hier ihre volle Stärke ausspielt.“

Während die eingesetzten Komponenten für sich genommen erprobt sind, liegt die eigentliche Herausforderung in ihrer Integration zu einem stabil laufenden Gesamtsystem. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen an das Risikomanagement – sowohl im Verfahren als auch im Regelungskonzept.

Die Projektverantwortlichen haben daher bewusst auf zu ehrgeizige Wirkungsgradziele verzichtet, um ein solides, realisierbares System zu schaffen. „Der Fokus liegt bei dieser Erstanwendung bewusst nicht auf Einzelkomponenten im technisch maximal Machbaren, sondern auf einer Gesamtlösung, die verlässlich funktioniert“, so Alexander Fronz.

Starke Partnerschaft: BASF, GKT und PILLER

Ein Projekt dieser Größenordnung gelingt nicht im Alleingang. BASF hat für die Umsetzung der Großwärmepumpe bewusst auf erfahrene Partner auf diesem Themengebiet gesetzt.

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GKT verantwortet in diesem Projekt sowohl die verfahrenstechnische Entwicklung als auch die Umsetzung als EPC-Dienstleister (Engineering, Procurement, Construction). Auf Basis einer vorgelagerten Machbarkeitsstudie begleitet das Unternehmen sämtliche Projektphasen – von der konzeptionellen Auslegung bis hin zur Errichtung und Inbetriebnahme der Anlage. Der Leistungsumfang umfasst sowohl Standardkomponenten als auch projektspezifisch angepasste Anlagenteile.

„Unser Fokus liegt nicht nur auf der optimalen Dimensionierung einzelner Anlagenteile, sondern vor allem auf deren funktionaler Integration zu einem perfekt abgestimmten Gesamtsystem“, betont Markus Putz, langjähriger Project Manager bei GKT. „Als Partner liefern wir BASF keine Einzelkomponenten, sondern eine ganzheitliche Lösung, die technologisch, wirtschaftlich und im Betrieb langfristig überzeugt.“
Für die mechanische Brüdenverdichtung kommt die bewährte VapoLine® von PILLER zum Einsatz. Das Unternehmen entwickelte im Rahmen des Projekts eine 11-stufige Verdichterlösung – aufgeteilt in zwei Kaskaden (6+5 Maschinen) zur besseren Kontrolle der Dampfdynamik und zur Minimierung der Risiken durch Sauerstoffeintrag.

Bereits in der frühen Projektphase definierten BASF und PILLER gemeinsam die Anforderungen – eine enge Abstimmung, die nicht nur eine spezifisch angepasste Verdichterarchitektur ermöglichte, sondern auch interne Innovationen vorantrieb. „Jede Komponente muss passen – nicht nur für den optimalen Wirkungsgrad, sondern auch für einen breiten Betriebspunktbereich“, unterstreicht Oscar Lino Sgrott Júnior, Senior Process Engineer bei PILLER. „Unser Anspruch war es, Teillastbedingungen ohne Bypass oder Rezirkulation sicher abzudecken – bei gleichzeitig garantierter Erfüllung der zugesicherten Leistungskennwerte. Die 11 VapoLine®-Verdichter sind individuell auf die Anforderungen bei BASF abgestimmt.“

Herausfordernd war insbesondere die Umstellung von luft- auf wassergekühlte Antriebe im laufenden Engineering-Prozess. Dennoch gelang es, zentrale Bauteile wie Elektromotoren über alle Einheiten hinweg zu standardisieren – ein enormer Vorteil für Wartung, Ersatzteillogistik und Anlagenverfügbarkeit.
Die enge Zusammenarbeit zwischen BASF, GKT und PILLER war während der Engineering-Phase ein wesentlicher Erfolgsfaktor – insbesondere in kritischen Momenten wie der Umstellung vom ursprünglich offenen auf ein hybrides Systemkonzept. Innerhalb kurzer Zeit musste ein alternatives Anlagenkonzept entwickelt, abgestimmt und in die bestehende Planung integriert werden.

„Die Geschwindigkeit und Professionalität, mit der wir diese Herausforderung gemeinsam gemeistert haben, war wirklich beeindruckend“, erinnert sich Alexander Fronz.

Alle Projektpartner verbindet ein gemeinsames Verständnis für die Bedeutung des Projekts: Es geht nicht nur um die technische Machbarkeit, sondern auch um den Nachweis, dass die Nutzung industrieller Abwärme im großtechnischen Maßstab funktioniert.

Als weithin sichtbares Leuchtturmprojekt ist das Vorhaben mit hohen Erwartungen verbunden. Umso wichtiger ist ein aktives Stakeholder-Management, das interne Anforderungen wie Kostenkontrolle und Termintreue mit dem Pilotcharakter des Projekts in Einklang bringt. „Wir alle spüren die Verantwortung – und genau das schafft diese besondere Dynamik“, erklärt Fronz. „Die Teams verfügen über hohe fachliche Kompetenz. Wir sprechen Herausforderungen offen und transparent an und arbeiten partnerschaftlich auf Augenhöhe zusammen. Uns verbindet der gemeinsame Wille, etwas wirklich Neues möglich zu machen.“

Ohne diesen gemeinsamen Spirit, so Fronz, wäre ein Projekt dieser Größenordnung nicht realisierbar.
Die enge Zusammenarbeit zwischen BASF, GKT und PILLER war in der Engineering-Phase ein wesentlicher Erfolgsfaktor – besonders in kritischen Phasen wie dem Wechsel vom ursprünglich offenen zum hybriden Systemdesign. Innerhalb kurzer Zeit musste ein alternatives Anlagenkonzept entwickelt, abgestimmt und in die bestehende Planung integriert werden.

„Die Geschwindigkeit und Professionalität, mit der das gemeinsam gemeistert wurde, war beeindruckend“, erinnert sich Alexander Fronz.

Was alle Projektbeteiligten verbindet, ist ein gemeinsames Verständnis für die Relevanz des Projekts: Es geht nicht nur um technische Machbarkeit, sondern um den Nachweis, dass industrielle Abwärmenutzung im großen Maßstab funktioniert. Als hochgradig sichtbares Großprojekt steht es unter erheblichem Erwartungsdruck. Umso wichtiger ist ein aktives Stakeholder-Management, um interne Anforderungen wie Kosten- und Termintreue mit dem Pilotcharakter des Projekts in Einklang zu bringen.

„Wir alle spüren die Verantwortung – und genau daraus entsteht diese besondere Dynamik“, erklärt Fronz. „Die Teams sind stark aufgestellt. Wir sprechen die Dinge transparent an und begegnen uns auf Augenhöhe. Was uns verbindet, ist der gemeinsame Wille, etwas wirklich Neues möglich zu machen.“ Ohne diesen Spirit, so sein Fazit, wäre ein Projekt wie dieses nicht umsetzbar.

5 technologische Highlights:

1

Sauerstofffreier Dampf durch hybrides Anlagendesign

Kombination aus offenem Dampferzeugerkreis und geschlossenem Flashkreis

Fallfilmverdampfer trennt Druck- und Vakuumbereich, verhindert Sauerstoffeintrag
2

Reines Wasser als sicheres Arbeitsmedium

Kein Einsatz anderer synthetischer oder natürlicher Kältemittel

Minimierte Betriebsrisiken und hohe Umweltverträglichkeit
3

Flexible Fahrweise durch Teillast- und Restartfähigkeit

Frequenzumrichter für stufenlose Anpassung an Abwärmeverfügbarkeit

Standby-System ermöglicht 200+ strompreisoptimierte Start-Stopp-Zyklen/Jahr
4

Maximaler Wirkungsgrad durch abgestimmte Technik

Radialverdichter exakt auf die Lastpunkte ausgelegt

Zusätzliche Energieausnutzung durch integrierte Wasservorwärmung
5

Intelligente Überwachung für hohe Verfügbarkeit

Condition-Monitoring erkennt Abweichungen frühzeitig und beugt Ausfällen vor

Wartungsfreundliche Radialverdichter reduzieren geplante Stillstände

Zusatzinformation

Wirtschaftlichkeit & Förderung: Die Rechnung für die Zukunft

Wertschöpfung durch Dekarbonisierung

Der eigentliche Mehrwert liegt in der Verbesserung des Product Carbon Footprint (PCF) des gesamten Portfolios. Alexander Fronz unterstreicht die langfristige Perspektive: „Grüner Dampf wird künftig ein Wettbewerbsvorteil sein. Wir investieren heute in die Infrastruktur von morgen. Die Förderung gleicht aus, was der Markt derzeit noch nicht honoriert – bis sich klimafreundliche Produkte durch höhere Margen selbst tragen können.“

„License to operate“ für eine klimaneutrale Industrie

Ab 2045 wird klimaneutrale Prozesswärme zu einer wesentlichen Voraussetzung für den Marktzugang – zur „License to operate“ in einem zunehmend klimabewussten Markt. Tim Lerch fasst zusammen: „Projekte wie dieses zeigen die Innovationskraft Europas. Es geht darum, technologischen Fortschritt aktiv mitzugestalten – und zu zeigen, dass eine zukunftsfähige Industrie nicht nur anderswo entsteht, sondern auch hier bei uns.“
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